Samstag, 26. Juni 2010

März 2010 > Es wird grün!

Anfang März gings für Laura und mich zurück nach Lima und dann gleich weiter mit allen Volis und Gerd nach La Merced in den Bergregenwald. Hier waren wir für eine Woche zur Zwischenauswertung.

Das kleine etwas verschlafene Städtchen La Merced liegt nordöstlich von Lima auf der anderen Seite der Anden. Die 9-stündige Fahrt traten wir bei Nacht an, sodass wir von der Umgebung nicht so viel mitbekommen haben. Je dichter wir jedoch La Merced kamen, desto mehr Umrisse von Bäumen und Wäldern konnten wir erspähen. Ziemlich aufregend, wenn man gerade 6 Monate in der Wüste verbracht hat!

Morgens um 6 noch im Dunkeln kamen wir in La Merced an. Jetzt merkte auch die wenigen glücklichen, die die Busfahrt durch geschlafen hatten, dass wir im Regenwald angekommen waren. Die Luft war schwül und etwas drückend und die Straßen sahen doch tatsächlich so aus, als hätte es vor kurzem geregnet! (auch etwas ganz besonderes, in der Wüste regnet es schließlich nicht! Also außer man ist Peruaner und bezeichnet Limas Nieselregen als richtigen Regen ;)).
Noch war nicht viel los im kleinen La Merced, aber zum Glück fand sich recht schnell ein Fahrer einer der kleinen öffentlichen Buse, der sich bereit erklärte, uns zu unserm Camp außerhalb der Stadt zu bringen. Schnell noch das Gepäck peruanisch aufs Dach binden, alle rein und los gings. Während der Fahrt wurde es immer heller, wir überquerten einen kleinen Fluss und konnten langsam erahnen, dass wir umgeben von hohen grün bewucherten Bergen waren.

Die Straße führte uns immer weiter aus der Stadt heraus, bis wir irgendwann fern der letzten Häuser an einem reißenden Fluss langsfuhren. Rechts ein steiler Berg, links der Fluss. Nach einem kleinen Tunnel hielt der Bus am Flussufer an und fing an das Gepäck abzuladen. Wir waren etwas verwirrt. Gerd zeigte uns die anderen Uferseite, wo man einige Strohdächer zwischen den Baumspitzen erkennen konnte: "Das ist unser Camp!" Jetzt war nur noch die Frage offen, wie wir dahin kommen. Das Stahlseil, das über den Fluss gespannt war, beantwortet dann auch diese Frage. Das Campteam werde uns mit einer Seilbahn rüberbringen. Klingt gut. Leider war das Campteam noch nicht da und es fing auch noch ziemlich stark an zu regnen (da hört die Freude über den Regen auch schon auf ;)), sodass wir uns samt Gepäck unter die kleine "Seilbahnhaltestelle" quetschen. Die Jungs, die gleich mal die Gegend auschecken mussten, konnten unsere Stimmung dann aber deutlich heben, als sie mit einer kleinen Obstkiste voll frischer Bananen und Guanabanas (schmeckt ungefähr so, wie es klingt ;)) zurück kamen, die sie für ganze 10 Soles (2,50€) bei einem kleinen Laden erstanden hatten.


Etwas später kamen dann auch endlich zwei Männer vom Campstaff, die uns mit vereinten Kräften über den Fluss zogen (wer bisher an eine elektrische Seilbahn gedacht hat, den kann ich nur nach Peru einladen :)). Aufgeteilt in drei Ladungen ging es dann doch ganz gut.

Ein recht abenteuerlich aussehnder Jeep nahm unser Gepäck mit, während wir zu Fuß den Weg Richtung Camp hochstiegen. Oben angekommen, waren wir erst einmal überwältigt, von dem was uns emfping. Schräg rechts vor uns lag ein kleiner See mit einer Insel in der Mitte. Die Palme auf der Insel sowie die Berge drumherum spiegelten sich in der völlig stillen Oberfläche des Wassers und entfachte in uns die Sehnsucht nach ruhigen gechillten Stunden am See :). Drum herum sah man in alle Richtungen grün bewucherte Berge zwischen denen grauen Nebelwolken durchwaberten. Auf der grünen Wiese um den See herum lagen kleine Holzhütten mit Strohdächer, die für die nächsten fünf Tage unser Zuhause sein sollten.
Schnell hatten wir die Häuser verteilt (klassisch nach Jungs und Mädchen, wobei die Badezimmerverteilung bei 3 Jungs und 9 Mädels nicht ganz so gerecht war ;)) & die Betten bezogen und als wir das nächste mal die Häuser verließen, hatten sich die Wolken auch schon verzogen und strahlender Sonnenschein empfing uns. Das hieß für uns natürlich, dass wir gleichmal das mit dem "am-See-chillen" ausprobieren mussten und so verbrachten wir den Vormittag genüßlich in der kleinen Hütte am See mit Gitarre, Buch oder was einem sonst so einfiel (war leider auch erstmal das letzte Mal, weil danach der Steg der zur Hütte führte abstürzte (sry Laura ;))).






Am Nachmittag stießen dann noch zwei weitere Weltwärtsmädels zu uns, die in der Nähe von La Merced ihr Volontariat machen und bei unserer Zwischenauswertung mitmachten.
Unser Tagesprogramm sah ganz unterschiedlich aus. Neben immer wieder Auswertungen unserer Arbeit, unseren Erwartungen und Eindrücken bisher, hatten wir einen Tag der Stille, verschiedene Einheiten zu unseren Gaben und einen Block über die Arbeit in den letzten 6 Monaten.
Der Tag der Stille erschien uns zunächst als unglaubliche Herausforderung. Einen Tag wirklich mal mit niemandem reden und irgendwo in der Wildnis sitzen?! Morgens um 9.00 ging es los. Nach dem Frühstück sammelten wir unser Lunchpaket ein und wurden dann von Gerd an verschiedenen Stellen im Wald verteilt, wo wir den Tag verbringen sollten. Ich landete bei einem kleinen Wasserfall :). Und erstaunlicherweise gingen die 7 Stunden bis zum Treffpunkt um 17.00 dann doch total schnell rum mit essen, nachdenken, beten, im Wasserfall baden.... :)
Trotz allem, waren wir am Abend doch ganz froh, wieder mit einander reden zu können :)

Ein weiteres Highlight unserer Zeit in La Merced war unser Ausflug zu einem etwas größeren Wasserfall an dem wir uns professionell mit Hilfe einiger Einheimischen abseilen konnten. Das war eine ziemlich coole Erfahrung! Oben der Kippe zu stehen, das Seil fest in der Hand, sich trotz Helm und Sicherheitsgurt ein wenig mulmig fühlen, dann der erste Schritt nach unten, sofort wird man vom Wasserfall ergriffen und klitschnass, der zweite Schritt, man rutscht ab an dem glitschigen Felsen, rechts der Kletterprofi, der einem auf Spanisch irgendwelche Tipps zuruft, die durch das Rauschen völlig gedämpft sind, er merkt, dass man ihn nicht versteht, seine Rufe wiederholen sich (was will denn der eigentlich? ich will doch nur da runter! und zwar schnell! ;)), unten die wartenden Volis, die schon durch sind, Zurufe, mal solle mal bitte fürs Foto posen, das Auffangbecken des Wasserfalles, das immer näher kommt, der letzte Schritt, der hektische Zuruf vom Kletterer, noch nicht fallen lassen! (hat ders eigentlich immer noch nicht verstanden?!;)) und dann hat man auch schon irgendwie den Boden erreicht, wird von den anderen Volis beglückwünscht und fängt dann an ziemlich schnell zu frieren, während man im Wasserbecken den nächsten Voli sichert.

Auch wenn ich den Abstieg nicht immer so ganz genossen habe, hat es doch super Spaß gemacht und war auf jeden Fall unvergesslich.

Die Tage im Regenwald waren, wenn auch mit viel Arbeiten und vorallem Nachdenken verbunden, unglaublich entspannt und erholsam. Wir alle genoßen es sehr, mal aus der Großstadt herauszukommen und nach dem Sommerstreß wieder ganz aufzutanken.

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