Samstag, 26. Juni 2010

Februar 2010

Im Februar haben wir unsere kleine 2er WG um zwei Peruanerin erweitert, die über den Sommer im Rahmen der Mitarbeiterschulung ProLider aus Lima ein Praktikum in einem Bereich der ACJ machen müssen. Da Elisa und Frescia genauso alt sind wie wir (20 & 19) haben wir uns ziemlich darauf gefreut, mit ihnen zusammen zu wohnen. Außerdem haben sie durch die Mitarbeiterschulung ein riesiges Repertoire an Spiel- & Bastelideen für die Kids.

Was wir allerdings vorher nicht bedacht hatten, waren die kulturellen Unterschiede, die wir dann beim Zusammenwohnen ziemlich schnell bemerkt haben. Als wir noch in Lima in den Gastfamilien gewohnt haben, haben wir uns in der Regel der peruanischen Kultur angepasst und so wie unsere Gastfamilien gelebt. In unserer eigenen Wohnung wollten wir aber doch zumindest ein paar deutsche Standarts übernehmen. Das betraf insbesondere die Mahlzeiten.


Peruaner frühstücken z.B. entweder gar nicht oder gleich was richtig deftiges, wie Schweinebraten im Brötchen. Unsere beiden Mädels gehören eher zu denen, die gar nicht frühstücken, sodass sie dann aber im laufe des Vormittages Riesenhunger bekamen, während Laura und ich dank eingeflogener Nutella immer gut satt waren bis zum Mittagessen :)

Die warmen Mahlzeiten waren dann das nächste Problem. Peruaner sind unglaublich stolz auf ihr eigenes Essen, aber wir haben bisher fast immer festgestellt, dass es ihnen sehr schwer fällt, neues zu probieren. Für uns ist es unverständlich, warum es zu jeder Mahlzeit Reis UND Kartoffeln geben muss. Da wir in Lima sowieso fast jeden Tag Reis gegessen haben, gibts bei uns in der Wohnung ziemlich selten Reis (ok, liegt auch daran, weil das Reiskochen jedesmal unsere Töpfe zerstört ;)) Für die zwei Peruanerinnen war es allerdings völlig unverständlich wieso es NICHT zu jeder Mahlzeit Reis gibt. Oder wie wir so etwas komisches wie Pfannkuchen (enthält weder Reis noch Kartoffeln und ist dazu auch noch süß!) zum Mittagessen essen können. Dadurch standen wir so manches Mal vor der schwierigen Entscheidung: Was essen wir denn heute???

Andererseits konnten die zwei superlecker Kochen, sodass Laura und ich dann auch endlich mal das ein oder andere peruanische Gericht gelernt haben.

Ein weitere Herausforderung war die Frage der Selbstständigkeit. In vielen Dingen, die für Laura und mich Selbstverständlich waren, hatten wir oft das Gefühl, dass die beiden ein bisschen überfordert waren weg von zu Hause und wir ihnen vieles zeigen und erklären mussten. Das hat mich am Anfang so manches Mal meine Geduld gekostet! Allerdings muss man hier bedenken, dass die Peruaner einfach nicht so stark in die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erzogen werden wie wir, da sie in der Regel erst mit der Hochzeit ausziehen, häufig nur, um bei den Eltern des Ehemannes einzuziehen.

Neben diesen kleinen Schwierigkeiten im Zusammenleben hatten wir allerdings eine super Zeit mit den zwei Mädels! Mit ihrer vielleicht manchmal doch noch ein bisschen unreifen Art haben sie uns immer wieder zum Lachen gebracht und wir haben sie sehr ins Herz geschlossen! Unsere Kinder und Jugendlichen übrigens auch, da die zwei wirklich einen super Job mit ihnen gemacht haben. Laura und ich waren ziemlich froh über ihre Hilfe, da in den Sommermonaten die Zahl der Kinder fast täglich gestiegen ist und wir zu zweit ziemlich oft überfordert gewesen wären.

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